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Pädagogisches Konzept

Pädagogische Ziele und Haltung

Wir möchten Menschen durch Naturbegegnungen begeistern und im Wald verschiedene Erfahrungs- und Lernräume nutzen. Unser Waldpädagogik-Team hat umfangreiche Qualifikationen sowie einen großen Erfahrungsschatz mit unterschiedlichen Zielgruppen und Formaten. Mit innovativen Ansätzen begegnen wir spannenden, umweltbezogenen oder gesellschaftlichen Themen.

Unsere Ziele orientieren sich am waldpädagogischen Bildungsverständnis „Lernen im, durch und für den Wald“. Dabei bietet uns der Wald ein authentisches Lernumfeld für ganzheitliche Naturbegegnung, unmittelbares Lernen an Phänomenen und vielfältigen Kompetenzerwerb. Das praktische Erleben fördert beispielsweise Selbstvertrauen, soziales Miteinander und motiviert für eine aktive Zukunftsgestaltung im Sinne der BNE. Wir legen großen Wert auf eine respektvolle Begegnung auf Augenhöhe, wechselseitiges Lernen und den achtsamen Umgang im Miteinander und mit der Natur.

Wir möchten Waldpädagogik für alle ermöglichen. Daher gestalten wir unsere Angebote möglichst barrierearm und passen sie an die Fähigkeiten und Besonderheiten der jeweiligen Zielgruppe an. Unser Vorgehen reflektieren wir fortlaufend. Bei all dem sind wir Impulsgebende für andere Bildungsakteure.


Zielgruppen und Formate

Kernzielgruppen unserer Arbeit sind Kitas, Grund- und weiterführende Schulen, Gruppen mit Förderbedarf (u.a. Sonderpädagogische Einrichtungen) sowie Berufsfach- und Hochschulen. Für diese bieten wir im Lernort Wald rund um das HdWkostenfreie und individuelle Halb- und Ganztagesangebote zu unterschiedlichen Themenfeldern an. Bei einem gemeinsamen Gespräch zwischen WaldpädagogIn und Lehrkraft wird das Angebot individuell angepasst. Halbtagesangebote bieten einen niederschwelligen Einstieg und Anknüpfungsmöglichkeiten für den Unterricht. Mehrtägige Formate ermöglichen intensive Naturerfahrungen und prozessorientiertes Lernen.

Weitere Zielgruppen sind Familien, Kinder und Jugendliche sowie Natur- und Kulturinteressierte. Diese erreichen wir vorwiegend über freie Besuche in der Ausstellung StadtWaldWelt, dem barrierefreien Walderlebnisweg Sinneswandel sowie über Veranstaltungen im Jahresprogramm. Die Ausstellung greift Alltagsbezüge des Waldes sowie seine Besonderheiten als Lebensraum für Tiere und Pflanzen auf und macht lokale bis globale Zusammenhänge für Familien spielerisch erfahrbar. Der Walderlebnisweg ermöglicht ein barrierefreies Naturerlebnis und vermittelt waldbezogene Zusammenhänge für Menschen mit und ohne Behinderung. Das Jahresprogramm umfasst zudem ein weites Spektrum waldbezogener, handwerklicher und kultureller Formate.

Im Bereich Weiterbildung erreichen wir mit einem umfangreichen Fortbildungsangebot und dem integrierten, staatlich anerkannten „Zertifikatslehrgang Waldpädagogik“ MultiplikatorInnen aus Forstwirtschaft, Bildung und weiteren Berufsfeldern. Zudem bieten wir individuelle Fortbildungsangebote u.a. für Fachteams aus Kita und Schule an. Die von uns entwickelten Bildungskonzepte stellen wir über landesweite Plattformen wie die Waldbox oder Publikationen zur Verfügung. Zudem initiieren wir durch landesweite Dienstbesprechungen oder Fachtagungen wie dem „Forum Waldpädagogik“ einen Erfahrungsaustausch und tragen zur Qualitätsentwicklung bei.

Erweitert bieten wir auch Veranstaltungen für Vereine, Jugendgruppen, Verwaltungen sowie Unternehmen an, bei denen der Schwerpunkt auf der Vermittlung wald- und gesellschaftsbezogener Themen sowie besonderer Natur- und Gruppenerlebnisse liegt.


Themenfelder und Nachhaltigkeitsziele

Unsere Angebote orientieren sich an Themenfeldern wie Biodiversität, Wissenschaft, Waldarbeit und Kreativität und sind an die Orientierungs- und Bildungspläne in Baden-Württemberg angepasst.Die Themenfelder integrieren unterschiedliche Sustainable Development Goals (SDGs) der Agenda 2030. Die Zielsetzung Leben an Land (Ziel 15) greifen wir auf, indem wir uns am Beispiel des Waldes für den Erhalt der biologischen Vielfalt sowie die nachhaltige Bewirtschaftung des Ökosystems einsetzen.

Auch tragen wir zur Bewusstseinsbildung für Klimaschutz & Anpassungsstrategien (Ziel 13) bei, indem wir Auswirkungen des Klimawandels im Wald lokal sichtbar machen sowie zugrundeliegende Zusammenhänge global betrachten. Gleichzeitig zeigen wir auf, wie Wälder sich natürlich an den Klimawandel anpassen können.

Durch die Integration von Lebensweltbezügen wie Holzprodukte oder die Bereitstellung sauberen Trinkwassers durch Waldökosysteme greifen wir Konsum & Produktion (Ziel 12) auf. Wir sensibilisieren für eine verantwortungsvolle Nutzung des Waldes.
Auch integrieren wir gesundheitsbezogene Aspekte auf Körper und Psyche, wie Entschleunigung und Achtsamkeit, bis hin zu Bewegung oder Wildnisküche, um Gesundheit & Wohlergehen (Ziel 3) zu fördern.1


Methodisch-didaktisches Vorgehen

Wir verstehen Lernen als lebendigen, aktiven und sozialen Prozess im Sinne des Konstruktivismus2. In unserer Bildungsarbeit integrieren wir verschiedene Lernzugänge und Kompetenzebenen (Kopf, Herz und Hand) sowie sonderpädagogische Arbeitsprinzipien.

Wir begreifen unsere Arbeit auch als wichtigen Beitrag zum SDG 4 Hochwertige Bildung. Dies schließt gleichberechtigte Teilhabe und lebenslanges Lernen aller Menschen mit ein. Entsprechend eines transformativen Ansatzes fördern wir Gestaltungskompetenzen und motivieren zu einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung3. Zudem unterstützen uns der Orientierungsrahmen globale Entwicklung sowie BNE-bezogene didaktische Prinzipien4&5. Die Ebenen Erleben, Erkennen, Bewerten und Handeln sind für unser methodisch-didaktisches Vorgehen in allen Angeboten entscheidend6 (s. Grafik oben).

 


ERLEBEN

Unsere Angebote finden in der Regel im Lernwald rund um das Haus des Waldes statt. Draußensein und unmittelbare Naturerfahrungen bilden die Basis unserer Bildungsarbeit. Sie schaffen Raum für Selbsterfahrungen, Kooperation und Partizipation. Die emotionalen Zugänge bilden die Voraussetzung für Neugier und Interesse an waldbezogenen Themen.

Wir setzen Sinneserfahrungen wie Baumtasten, Spiegelgang oder Geruchsmemory für Naturerfahrungen ein und fördern ganzheitlich Entwicklungsprozesse. Das Erleben von Naturphänomenen schafft gleichzeitig Realbezug zu Zusammenhängen wie Jahreszeiten, Klimawandel, Biodiversität oder nachhaltiger Ressourcennutzung. Vielfalt lässt sich dabei nicht nur im Wald, sondern auch in der Gruppe erleben. Interkulturelle Kompetenz kann durch Geschichten aus aller Welt, Philosophieren zur Nachhaltigkeit bzw. bei der Zubereitung eines globalen Gerichtes gefördert werden. Zugleich eröffnen sich niederschwellige Sprachanlässe zur Förderung von Sprachkompetenzen.

Spielerische Elemente wie das Bauen von Tierbehausungen oder Rollen- und Planspiele machen Perspektivenvielfalt erlebbar und fördern Empathievermögen. Bewegungselemente wecken Freude und haben entwicklungs- und gesundheitsförderliche Effekte.
Rituale wie das Zusammenkommen im Waldsofa, gemeinsames Singen, Kochen und Essen am Feuer schaffen persönliche Bezüge zum Wald und schöne Gruppenerlebnisse.


ERKENNEN

Die Betrachtung des Waldökosystems macht komplexe Zusammenhänge deutlich und fördert Kompetenzen wie systemisches Denken. Dabei greifen wir verschiedene Methoden auf. Beim Sammeln und Sortieren von Naturmaterialien aus dem Wald sowie bei Experimenten zu Boden oder Vegetation werden neue Erkenntnisse erworben und Zusammenhänge dargestellt.

Elemente des bewegten und modellhaften Lernens zeigen Wechselwirkungen im Wald und der Gesellschaft. Beispiele sind Spiele zu Nahrungsnetzen, die Darstellung des ökosystemaren Gleichgewichts im Seilkreis („Ökosystem in Balance“) oder Staffelläufe zu Rohstoffnutzung („Wald-Mensch-Zeit“) und Fotosynthese. Auch kreativ-gestalterische Aufgaben wie der Kugelbahnbau („Vielfalt, jede/r zählt“) oder das Darstellen von Nutz-, Schutz- und Erholungswald mit Naturmaterialien („Waldfunktionenspiel“) greifen Modellvorstellungen von Stoffkreisläufen, Energieflüssen oder Ökosystemleistungen bis hin zur forstlichen Nachhaltigkeit auf. 
Diese Methoden berücksichtigen Perspektivenvielfalt und fördern interdisziplinären Erkenntnisgewinn sowie systemisches Denken. Auch werden forstliche und naturwissenschaftliche Arbeitsfelder sichtbar, was die Berufsorientierung für Kinder und Jugendliche unterstützen kann.
Mit Aktionen wie dem Suchen von Gegenständen mit Waldbezug im Rucksack („Wald im Rucksack“) oder der Darstellung des CO₂-Verbrauchs auf dem Schulweg greifen wir Lebensweltbezüge auf und setzen diese in Beziehung zum Wald. Dabei verdeutlichen wir die globale Bedeutung des Waldes.


BEWERTEN

Die im Wald gewonnen Erkenntnisse bieten Ansatzpunkte für Reflexion über das Verhältnis zur Natur, eigene Fähigkeiten, bis zum Hinterfragen von Leitbildern und Werthaltungen.

Beim aktiven Gestalten mit Naturmaterialien laden wir Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur ein. Wir sensibilisieren dafür spurlos zu sein. Dies bedeutet z.B. eigenen Müll mitzunehmen oder Waldsofas wieder zurückzubauen.

Mit der Analyse von Baumwachstum, Waldentwicklung oder natürlichen Kreisläufen schaffen wir über lange Zeiträume ein Verständnis für den Wald. Auf dieser Grundlage bewerten wir Veränderungen im Wald, z.B. durch die Forstwirtschaft. Der Staffellauf „Wald-Mensch-Klima in Balance“ ermöglicht die Betrachtung von Ursachen des Klimawandels sowie die Ableitung möglicher Schutzstrategien.

Rollen- und Planspiele oder Geschichten wie Robin Hood laden zum Perspektivwechsel ein und fördern Empathievermögen und Gerechtigkeit. Diese Werturteile lassen sich auf eigene Lebenssituationen oder gesellschaftliche Fragestellungen übertragen.


HANDELN

Der Wald stellt einen Aktions- und Gestaltungsraum dar, in dem wir praktische Fähigkeiten fördern und direkte Anwendungen ermöglichen. Dies schließt die Entwicklung von Zukunftsvisionen und persönlichen Engagements für eine nachhaltige Entwicklung ein.

Zu den praktischen Elementen gehören Naturbeobachtungen oder Experimente. Daran lassen sich Handlungskonsequenzen, z.B. zur Waldbewirtschaftung (standortbezogene Baumarteneignung) ableiten oder Alltagsbezüge (Filterwirkung des Waldbodens) herstellen. Bei der Baumansprache und Fällung („Zukunfts-Baumauslese“) lernen Teilnehmende eine differenzierte Betrachtung und forstwirtschaftliches Arbeiten kennen. Sie übernehmen Verantwortung für den Wald sowie beim Werkzeugeinsatz für ihre Sicherheit. Bei der Methode „Zukunftswald gestalten“ wird anhand von Baumarteneignungskarten die zukünftige Waldentwicklung prognostiziert und Handlungsempfehlungen für die Forstwirtschaft erarbeitet. Eine Anwendung stellt auch die kreative Gestaltung klimaangepasster Baum- und Tierarten dar. Zudem integrieren wir bestehende Vorbilder und Lösungswege. Beispiele sind Geschichten der Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitsstrategien oder das Modell der multifunktionalen Waldbewirtschaftung.

Wir ermöglichen Projekte, die an Waldfunktionen und Alltagsbezüge angelehnt sind. Im Bereich Ökologie kann dies der Bau von Nisthilfen, Maßnahmen zur Habitatpflege oder Baumpflanzungen sein. Der Bau von Holzmöbeln zeigt die gesamte Wertschöpfungskette vom Baum bis zum fertigen Produkt und spiegelt die ökonomische Funktion wider. Mit der Gestaltung eines Barfußpfades oder Kunstobjekten wird die Sozialfunktion deutlich. Dabei erlernen Teilnehmende praktische Fähigkeiten, die sich auch im Alltag anwenden lassen. Beispiele sind der Bau eines Insektenhotels im eigenen Garten, Abfallvermeidung oder der Kauf nachhaltiger Produkte. In den Projekten planen sie selbstständig und bringen sich in partizipative Entscheidungsprozesse ein. Gegenseitige Motivation entsteht, aber auch Durchhaltevermögen ist gefordert und Zielkonflikte werden erlebbar. Der Umgang mit diesen Herausforderungen schafft eine hohe Authentizität und Wirksamkeit der Lernprozesse.

 

Quellen:1Vereinte Nationen (2024): „Agenda 2030/SDGS“, https://unric.org/de/17ziele/;2Margit Stein (2007): „Allgemeine Pädagogik“ 3de Haan, G. (2008): „Gestaltungskompetenz als Kompetenzkonzept für Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Bormann I., de Haan, (Hrsg.) IN: Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung, Wiesbaden 2008 4Engagement Global gGmbH (2016): „Orientierungsrahmen Globale Entwicklung“, Bonn, 2. Auflage 5Orientierungsrahmen BNE-Zertifizierung Baden-Württemberg (2025) 6Bolay, E., Reichle, B. (2015): Waldpädagogik- Handbuch der waldbezogenen Bildungsarbeit, Teil 1 und 2, Hohengehren.


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