Welcher Baum wird gefällt?

Im Lebensraum Wald finden wir nicht nur die höchste Artenvielfalt - das heißt, hier leben viele unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten - er ist auch die größte Produktionsstätte von Grünmasse und Holz. Überließe der Mensch den Wald sich selbst, würden immer wieder Bäume absterben und neue wachsen. Der Mensch greift in die Natur ein, indem er einen Teil der Bäume aus dem Wald entnimmt, bevor sie verkümmern oder eines natürlichen Todes sterben.


Die Forstleute entfernen schwächere oder bedrängende Bäume, dadurch wachsen die gesunden und starken Bäume besser. Der stehen gelassene Baum erhält mehr Licht und ihm steht ein größerer Anteil an Wasser und Nährstoffen zur Verfügung. Er kann sein Wachstum optimieren. Die entnommenen Bäume werden als Brenn- und Papierholz verwendet und ab einer gewissen Dicke als Sägeholz für den Hausbau oder die Herstellung von Möbeln.


Wann ein Baum gefällt und geerntet wird, ist von Baumart zu Baumart unterschiedlich. Der Stamm einer Fichte ist nach 100 Jahren ca. 60 cm dick. Diese Dicke erreicht eine Buche erst mit 120 Jahren und eine Eiche braucht gar 180 Jahre, um einen Durchmesser von 70 cm aufzuweisen. Dann können sie optimal im Sägewerk verwendet werden, um beispielsweise Bretter herzustellen.
Es werden allerdings keine ganzen Wälder abgeholzt. Immer wieder werden einzelne reife Stämme, um die sich schon genügend Nachwuchs geschart hat, vorsichtig entnommen.


Da alte Bäume ökologisch sehr wertvoll sind, bleibt ein bestimmter Teil der Waldfläche unberührt. Die Bäume bleiben so lange stehen, bis sie natürlich sterben. Einige davon enthalten Spechthöhlen, Greifvogelhorste oder bereits Faulstellen. Fallen sie als „Totholz“ um, bleiben sie als wertvolle Ruinen liegen. Sie brauchen viele Jahre bis sie vermodert sind. Einige seltene Tiere und Pflanzen sind auf dieses verrottende oder tote Holz als Lebensraum angewiesen. Werden Wälder so genutzt, ist es naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft.

Waldarbeiter- ein Beruf für dich?

Die Arbeit im Wald ist anspruchsvoll und gefährlich. Neben Kraft und Ausdauer sind Wissen über die Natur und natürlich speziell über den Wald sowie handwerkliches Können gefragt. Durch die Arbeit im Wald dürfen der Waldboden und die Tier- und Pflanzenwelt keinen Schaden erleiden. Auf seltene Tiere und Pflanzen muss Rücksicht genommen werden. Deshalb wird der Wald überlegt durch Fachleute bewirtschaftet.


Moderne Maschinen sind dabei eine große Hilfe. Ihre breiten Reifen drücken den Boden weniger tief als der menschliche Fuß und die große Reichweite eines Krans kann empfindliche Stellen überbrücken. Da die Maschinen schnell arbeiten, verkürzt sich die aufwendige Waldarbeit. Außerdem werden die Forstleute entlastet. Die Maschinen dürfen nur auf gekennzeichneten „Rückegassen“ fahren, dennoch entstehen manchmal Fahrspuren. Der restliche Wald bleibt dafür geschont. Wäre die Waldarbeit auch was für dich?

Forstleute müssen an morgen denken!

Wald bedeutet Klimaschutz, Erholungsraum und Rohstoffquelle für die Menschen. Alle drei Funktionen werden gleichwertig durch eine naturnahe Behandlung unserer Wälder erreicht: Bei der Zusammensetzung der Baumarten werden für den jeweiligen Standort geeignete Arten bevorzugt und die Vielfalt des Waldes erhalten. Beim Ernten wird das Holz vorsichtig entnommen, denn die Bewahrung dieses einzigartigen Lebensraums ist sehr bedeutsam. Holz ist aber auch ein viel verwendeter und ökologisch wertvoller Rohstoff, auf den wir Menschen nicht verzichten können.


Der lange Zeitraum, den ein Baum zwischen Sämling und erntereifer Größe durchläuft, erschwert dabei eine sichere Planung. Wir verwenden Holz von Bäumen, die Forstleute lange vor uns nach ihren Überlegungen gepflanzt haben. Wer weiß schon, welche Bedürfnisse die Menschen in 100 bis 200 Jahren haben? Für den Gemeindewald von Lienzingen im Enzkreis hat man zum Beispiel herausgefunden, dass 12 Förster-Generationen aktiv waren, um wertvolles Eichenholz zu produzieren.


Eine große Herausforderung ist dabei der Klimawandel. Die Forstleute müssen dafür sorgen, dass heute möglichst viele verschiedene Baumarten aufwachsen, die sich an andere klimatische Bedingungen wie zum Beispiel höhere Temperaturen oder Wassermangel anpassen können.

Was ist Nachhaltigkeit?

Menschen haben schon vor vielen Jahren gemerkt, dass Bäume zwar wieder nachwachsen, die Waldfläche jedoch abnimmt, wenn zu viele Bäume entnommen werden. Die Menschen mussten sich aber langfristig mit Holz versorgen. Erst als die Wälder immer weniger wurden, fasste man im 18. Jahrhundert den Entschluss, nicht mehr Bäume zu fällen, als im gleichen Zeitraum nachwachsen können. Im Wald sollte immer genug Holz zur Verfügung stehen, damit auch zukünftig immer wieder Bäume gefällt werden können. Das Prinzip der Nachhaltigkeit war geboren und gilt seither als bewährte Regel in der Forstwirtschaft.


Eigentlich sollten wir alle auch bei der Nutzung anderer Rohstoffe nachhaltig leben. Wir sollten zum Beispiel nur so viel Wasser verbrauchen, dass unsere Kinder und Enkel noch gleich viel zur Verfügung haben. Hast du eine Idee, wie wir Wasser und andere Rohstoffe nachhaltig verwenden können?