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Berthold Haenssler

Lernort Wald


Mehr als nur Wald

Waldpädagogik im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Außerschulische Lernorte wie der Wald laden dazu ein, Situationen und Phänomene mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu erleben. Interesse und Neugier gegenüber der Welt werden geweckt und neue Fragenstellungen entdeckt. Am Haus des Waldes gibt es vielfältige waldpädagogische Angebote für Ihre Gruppen. Diese orientieren sich am Leitgedanken der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), an den neuen Bildungsplänen für Baden-Württemberg und an den individuellen Bedürfnissen und Wünschen von Ihnen und Ihrer Gruppe. Ihre Erwartungen besprechen unsere Waldpädagoginnen und Waldpädagogen mit Ihnen im Vorfeld der Veranstaltung.

 


Pädagogische Ziele und Haltung

Wir möchten Menschen durch Naturbegegnungen begeistern und im Wald verschiedene Erfahrungs- und Lernräume nutzen. Unser Waldpädagogik-Team hat umfangreiche Qualifikationen sowie einen großen Erfahrungsschatz mit unterschiedlichen Zielgruppen und Formaten. Mit innovativen Ansätzen begegnen wir spannenden, umweltbezogenen oder gesellschaftlichen Themen. 

Unsere Ziele orientieren sich am waldpädagogischen Bildungsverständnis „Lernen im, durch und für den Wald“. Dabei bietet uns der Wald ein authentisches Lernumfeld für ganzheitliche Naturbegegnung, unmittelbares Lernen an Phänomenen und vielfältigen Kompetenzerwerb. Das praktische Erleben fördert beispielsweise Selbstvertrauen, soziales Miteinander und motiviert für eine aktive Zukunftsgestaltung im Sinne der BNE. Wir legen großen Wert auf eine respektvolle Begegnung auf Augenhöhe, wechselseitiges Lernen und den achtsamen Umgang im Miteinander und mit der Natur.

Wir möchten Waldpädagogik für alle ermöglichen. Daher gestalten wir unsere Angebote möglichst barrierearm und passen sie an die Fähigkeiten und Besonderheiten der jeweiligen Zielgruppe an. Unser Vorgehen reflektieren wir fortlaufend. Bei all dem sind wir Impulsgebende für andere Bildungsakteure.

ERLEBEN

Unsere Angebote finden in der Regel im Lernwald rund um das Haus des Waldes statt. Draußensein und unmittelbare Naturerfahrungen bilden die Basis unserer Bildungsarbeit. Sie schaffen Raum für Selbsterfahrungen, Kooperation und Partizipation. Die emotionalen Zugänge bilden die Voraussetzung für Neugier und Interesse an waldbezogenen Themen. Wir setzen Sinneserfahrungen wie Baumtasten, Spiegelgang oder Geruchsmemory für Naturerfahrungen ein und fördern ganzheitlich Entwicklungsprozesse. Das Erleben von Naturphänomenen schafft gleichzeitig Realbezug zu Zusammenhängen wie Jahreszeiten, Klimawandel, Biodiversität oder nachhaltiger Ressourcennutzung. Vielfalt lässt sich dabei nicht nur im Wald, sondern auch in der Gruppe erleben. Interkulturelle Kompetenz kann durch Geschichten aus aller Welt, Philosophieren zur Nachhaltigkeit bzw. bei der Zubereitung eines globalen Gerichtes gefördert werden. Zugleich eröffnen sich niederschwellige Sprachanlässe zur Förderung von Sprachkompetenzen. Spielerische Elemente wie das Bauen von Tierbehausungen oder Rollen- und Planspiele machen Perspektivenvielfalt erlebbar und fördern Empathievermögen. Bewegungselemente wecken Freude und haben entwicklungs- und gesundheitsförderliche Effekte. Rituale wie das Zusammenkommen im Waldsofa, gemeinsames Singen, Kochen und Essen am Feuer schaffen persönliche Bezüge zum Wald und schöne Gruppenerlebnisse.
 

ERKENNEN

Die Betrachtung des Waldökosystems macht komplexe Zusammenhänge deutlich und fördert Kompetenzen wie systemisches Denken. Dabei greifen wir verschiedene Methoden auf. Beim Sammeln und Sortieren von Naturmaterialien aus dem Wald, sowie bei Experimenten zu Boden oder Vegetation werden neue Erkenntnisse erworben und Zusammenhänge dargestellt. Elemente des bewegten und modellhaften Lernens zeigen Wechselwirkungen im Wald und der Gesellschaft. Beispiele sind Spiele zu Nahrungsnetzen, die Darstellung des ökosystemaren Gleichgewichts im Seilkreis („Ökosystem in Balance“) oder Staffelläufe zu Rohstoffnutzung („Wald-Mensch-Zeit“) und Fotosynthese. Auch kreativ-gestalterische Aufgaben wie der Kugelbahnbau („Vielfalt, jede/r zählt“) oder das Darstellen von Nutz-, Schutz- und Erholungswald mit Naturmaterialien („Waldfunktionenspiel“) greifen Modellvorstellungen von Stoffkreisläufen, Energieflüssen oder Ökosystemleistungen bis hin zur forstlichen Nachhaltigkeit auf. Diese Methoden berücksichtigen Perspektivenvielfalt und fördern interdisziplinären Erkenntnisgewinn sowie systemisches Denken. Auch werden forstliche und naturwissenschaftliche Arbeitsfelder sichtbar, was die Berufsorientierung für Kinder und Jugendliche unterstützen kann. Mit Aktionen wie dem Suchen von Gegenständen mit Waldbezug im Rucksack („Wald im Rucksack“) oder der Darstellung des CO2 -Verbrauchs auf dem Schulweg greifen wir Lebensweltbezüge auf und setzen diese in Beziehungen zum Wald. Dabei verdeutlichen wir die globale Bedeutung des Waldes.
 

BEWERTEN

Die im Wald gewonnen Erkenntnisse bieten Ansatzpunkte für Reflexion über das Verhältnis zur Natur, eigene Fähigkeiten, bis zum Hinterfragen von Leitbildern und Werthaltungen. Beim aktiven Gestalten mit Naturmaterialien laden wir Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur ein. Wir sensibilisieren dafür spurlos zu sein. Dies bedeutet z.B. eigenen Müll mitzunehmen oder Waldsofas wieder zurückzubauen. Mit der Analyse von Baumwachstum, Waldentwicklung oder natürlichen Kreisläufen schaffen wir über lange Zeiträume ein Verständnis für den Wald. Auf dieser Grundlage bewerten wir Veränderungen im Wald, z.B. durch die Forstwirtschaft. Der Staffellauf „Wald-Mensch-Klima in Balance“, ermöglicht die Betrachtung von Ursachen des Klimawandels sowie die Ableitung möglicher Schutzstrategien. Rollen- und Planspiele oder Geschichten wie Robin Hood laden zum Perspektivwechsel ein und fördern Empathievermögen und Gerechtigkeit. Diese Werturteile lassen sich auf eigene Lebenssituationen oder gesellschaftliche Fragestellungen übertragen.

HANDELN

Der Wald stellt einen Aktions- und Gestaltungsraum dar, in dem wir praktische Fähigkeiten fördern und direkte Anwendungen ermöglichen. Dies schließt die Entwicklung von Zukunftsvisionen und persönlichen Engagements für eine nachhaltige Entwicklung ein. Zu den praktischen Elementen gehören Naturbeobachtungen oder Experimente. Daran lassen sich Handlungskonsequenzen, z.B. zur Waldbewirtschaftung (standortbezogene Baumarteneignung) ableiten oder Alltagsbezüge (Filterwirkung des Waldbodens) herstellen. Bei der Baumansprache und Fällung („Zukunfts-Baumauslese“) lernen Teilnehmende eine differenzierte Betrachtung und forstwirtschaftliches Arbeiten kennen. Sie übernehmen Verantwortung für den Wald, sowie beim Werkzeugeinsatz für ihre Sicherheit. Bei der Methode „Zukunftswald gestalten“ wird anhand von Baumarteneignungskarten die zukünftige Waldentwicklung prognostiziert und Handlungsempfehlungen für die Forstwirtschaft erarbeitet. Eine Anwendung stellt auch die kreative Gestaltung klimaangepasster Baum- und Tierarten dar. Zudem integrieren wir bestehende Vorbilder und Lösungswege. Beispiele sind Geschichten der Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitsstrategien oder das Modell der multifunktionalen Waldbewirtschaftung.


Themenfelder und Nachhaltigkeitsziele

Unsere Angebote orientieren sich an Themenfeldern wie Biodiversität, Wissenschaft, Waldarbeit und
Kreativität und sind an die Orientierungs- und Bildungspläne in Baden-Württemberg angepasst.